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Orthokin-Injektionstherapie

Grundlagen

Bei der Orthokin®-Therapie wird die körpereigene Substanz "Interleukin-1-Rezeptoranatgonist" künstlich im Reagenzglas vermehrt und dem Patienten später in ein Gelenk oder an die Nervenwurzel injiziert.
Grundgedanke für die Entwicklung dieser Therapie war die Erkenntnis, dass Interleukin-1 (IL-1) eine Schlüsselrolle bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen spielt und damit ein Triggerprodukt für Schmerzen sein kann. Der biologische Antagonist Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra) greift in den physiologischen Mechanismus dieser Erkrankung ein, trägt zur Herstellung des biologischen Gleichgewichts bei und soll so ähnlich wie Cortison schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken.

Das Verfahren ist seit circa 10 Jahren bekannt und wurde zunächst an größeren Gelenken (z.B. Kniegelenk) angewandt. Durch die Veröffentlichung 2er Studien an Rückenschmerzpatienten hat es Einzug in die Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen bzw. Wurzelreizsyndromen erhalten (siehe Absatz Stellenwert).
Da es ähnlich gut wie Cortison wirken soll, wird Orthokin® gerne als Cortisonersatz verwendet. Über das Nebenwirkungsspektrum liegen jedoch noch nicht ausreichende Studien vor, da es aber ein körpereigenes Protein ist, sind keine stärkeren Sideffekts zu erwarten.

Die Behandlungsmethode wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen (jedoch von Privatkassen) bezahlt und kostet je nach Häufigkeit und Applikationsform 300-500€ pro Injektion.

 

Verfahren

Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra) kommt natürlicherweise im Blut vor. Mit Hilfe des Orthokin®-Verfahrens kann IL-1Ra sowie andere Immunproteine in erhöhter Konzentration gewonnen werden. Dazu wird dem Patienten mit einer Spezialspritze Blut entnommen. Nach der Inkubation bei 37°C werden die Blutröhrchen zentrifugiert. Dies führt zur Trennung der festen und flüssigen Blutbestandteile. Im Blutserum ist u.a. IL-1Ra enthalten, das in Spritzen abgefüllt für die Injektion bereit steht.

Im Detail:
Um aus einem bestimmten Protein Ihres Blutes ausreichend viel Orthokin herstellen zu können, sind drei Schritte notwendig:
1. Es werden Ihnen etwa 20 Milliliter Venenblut abgenommen.
2. In unserem Labor wird das Anti-Interleukin IL-1-Ra aus dem entnommenen Blut isoliert und stark vermehrt. Anschließend werden verschiedene Einheiten als Einzeldosen hergestellt und tiefgefroren.
3. Diese Einheiten werden dann je nach Indikation entweder direkt unter Bildwandlerkontrlle ("C-Bogen") in das betroffene Gelenk (bei Rückenschmerzen) oder an die entzündete Nervenwurzel (bei Radikulärsyndromen) eingebracht.

 

Stellenwert

Gibt es wissenschaftliche Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der Orthokin®-Therapie?

Seit 2 Jahren gibt es Daten zweier klinischen Studien. Diese belegen die Wirksamkeit und Sicherheit der Orthokin®-Therapie. An der Ruhruniversität Bochum wurde im Jahr 2004 das mit dem Orthokin®-Therapiesystem hergestellte körpereigene Serum in einer randomisierten, prospektiven, doppelblinden Studie bei ischiasbedingten (radikulären) Rückenschmerzen im Vergleich zu Kortison getestet. Die Studie schloss 84 Patienten ein. Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf unterwarf die Orthokin®-Gelenktherapie einer strengen klinischen Prüfung bei 399 Patienten. Die randomisierte, prospektive, placebo-kontrollierte, doppelblinde Gonarthrose-Studie wurde im Mai 2005 abgeschlossen. Beide Studien haben gezeigt, dass die Orthokin®-Therapie bei beiden Indikationen wirksam und sicher ist.

Kritisch ist das Fehlen von Langzeitergebnisse anzumerken, sowie die bisher nicht erfolgte Prüfung der pharmazeutischen Qualität bezüglich Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit von Orthokin® durch staatliche Überwachungsstellen.